10

Einen Monat vor dem Auftakt der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko dämpft Bastian Schweinsteiger die Erwartungen an die deutsche Nationalmannschaft. Der ARD-Experte und Weltmeister von 2014 sieht das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann derzeit nicht im Kreis der absoluten Topfavoriten für das am 14. Juni beginnende Turnier.

Fehlende Konstanz: Das Halbfinale als langer Weg

Wer an den Triumph von 2014 denkt, hat unweigerlich das Bild des blutenden, aber unermüdlichen Münchners im Finale von Rio de Janeiro vor Augen. Seit diesem historischen Erfolg sucht der viermalige Weltmeister bei globalen Turnieren jedoch vergeblich seinen Rhythmus. Sowohl 2018 als auch 2022 scheiterte die deutsche Auswahl bereits in der Vorrunde. Für eine erfolgreiche WM-Kampagne fordert der einstige Mittelfeldstratege nun deutlich mehr Beständigkeit.

Passend zum Thema

„Wenn man es öfter sehen würde, dass wir 95 Minuten auf hohem Niveau spielen, dann gehören wir dazu“, analysiert Schweinsteiger die aktuelle Leistungsfähigkeit der Mannschaft. Ein Einzug ins Halbfinale wäre aus seiner Sicht nach den Enttäuschungen der vergangenen Jahre zwar erfreulich, jedoch ein äußerst steiniger Pfad. Sein ehemaliger Kapitän Philipp Lahm zeigte sich zuletzt im Vorfeld des ersten Gruppenspiels gegen Curacao etwas optimistischer und gab die Vorschlussrunde als klares Etappenziel aus.

Kritik an Julian Nagelsmann: Ruhe als Schlüssel zum Erfolg

Um die notwendige Turnierform rechtzeitig zu erreichen, sieht der TV-Experte nun den Trainerstab in der Pflicht. Die sportliche Basis sei vorhanden, doch der Cheftrainer müsse klassische Turniertugenden wie Ehrgeiz, Biss und Widerstandsfähigkeit in der Kabine wecken. Genau dieser Übungsleiter stand in den vergangenen Wochen allerdings vermehrt im Fokus der Kritiker. Häufige personelle Wechsel und der Umgang mit Stuttgarts Angreifer Deniz Undav sorgten für Diskussionen, in die sich unter anderem Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß einschaltete.

Die Suche nach der idealen Startelf ist offenkundig noch nicht abgeschlossen. Schweinsteiger rät dem Bundestrainer daher zu mehr Besonnenheit auf der Zielgeraden der Vorbereitung: „Er ist sehr strikt, sehr geradeaus. Da kann er ein bisschen ruhiger und gelassener mit umgehen. Das hat die großen Trainer immer ausgezeichnet.“ Nur wenn die sportliche Leitung diese Gelassenheit vorlebt und auf den Platz überträgt, besteht die realistische Chance, dass am Ende des Turniers wieder ein deutscher Spieler den begehrten goldenen Pokal in den Nachthimmel reckt.

Verwandte Beiträge