Wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft am 14. Juni in ihr erstes WM-Gruppenspiel gegen Curacao startet, steht das Grundgerüst bereits. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat nach aktuellem Stand neun von elf Startelf-Plätzen fest vergeben, muss bis zum Turnierauftakt aber noch zwei entscheidende Baustellen moderieren.

Testspiele gegen Schweiz und Ghana als finales Casting

Eigentlich gilt das frisch nominierte Aufgebot nur für die bevorstehenden Härtetests am 27. März in Basel gegen die Schweiz sowie drei Tage später in Stuttgart gegen Ghana. Doch der Blick der Öffentlichkeit richtet sich längst auf den 14. Juni. Aus den 26 nominierten Spielern lässt sich die klare Strategie des Bundestrainers für das längste WM-Turnier der Geschichte ablesen: Die Zeit der großen Experimente ist endgültig vorbei. Der 36-jährige Chefcoach sucht nicht mehr nach Einzelkönnern, sondern nach einem funktionierenden Gesamtgefüge.

Teamchemie schlägt Einzelleistung

Dass Nagelsmann seine Prioritäten verschoben hat, zeigt der Blick auf die prominente Liste der Nichtnominierten. Spieler wie Niclas Füllkrug, Karim Adeyemi, Robert Andrich oder Maximilian Beier fehlen im aktuellen Kader. Auch Akteure wie Angelo Stiller oder Nadiem Amiri müssen vorerst zuschauen. Der Grund liegt laut Nagelsmann auf der Hand: Es hapert bei vielen an der nötigen Leistungskonstanz. Viel wichtiger ist dem DFB-Coach jedoch die Gruppenchemie. Er fordert von seinen Schützlingen die bedingungslose Bereitschaft, anderen zu helfen und das eigene Ego für den Erfolg der Mannschaft hintenanzustellen. Blockbildung und Automatismen genießen höchste Priorität.

Sorgenkinder im Formtief und Goretzkas wackeliger Status

Auf den ersten Blick überrascht die Nominierung von Spielern wie Anton Stach. Dagegen haben sich Akteure wie Leroy Sané, Nick Woltemade und Malick Thiaw in den vergangenen Wochen sportlich nicht aufgedrängt. Besonders brisant ist die Situation bei Sané und Woltemade, die bei ihren jeweiligen Vereinen Galatasaray und Newcastle United zuletzt ihre Stammplätze verloren haben. Echtes Startelf-Potenzial für die WM hat aus diesem Quartett derzeit niemand.

Auch die Situation von Leon Goretzka hat eine unerwartete Wendung genommen. Schien der Mittelfeldspieler nach einem viel beachteten Interview Anfang März seinen Platz im WM-Team noch sicher zu haben, ruderte der Bundestrainer nun deutlich zurück. Nagelsmann betonte unmissverständlich, dass der Routinier trotz Startvorteil keinen Freifahrtschein besitze. Spielzeit könne 90 Minuten bedeuten, aber eben auch nur zwei. Goretzka muss seinen Wert für das DFB-Team in den kommenden Wochen also eindrucksvoll untermauern, um im Juni gegen Curacao tatsächlich auf dem Rasen zu stehen.

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