Bundestrainer Julian Nagelsmann steht vor der ersten richtungsweisenden Entscheidung im aktuellen WM-Jahr. Am kommenden Donnerstag (14:00 Uhr) nominiert der 38-Jährige sein Aufgebot für die bevorstehenden Testspiele gegen die Schweiz am 27. März sowie gegen Ghana drei Tage später in Stuttgart. Da für das große Turnier insgesamt 26 Tickets zu vergeben sind, beginnt nun die entscheidende Phase der Kaderplanung. Dabei muss der Cheftrainer eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen, die den Abstand zur absoluten Weltspitze verringern soll.

Der steinige Weg zur Weltspitze

Auch wenn die Vorfreude auf das Turnier wächst, bleibt die sportliche Führung realistisch. DFB-Sportdirektor Rudi Völler räumte unlängst ein, dass die deutsche Auswahl nicht als uneingeschränkter Top-Favorit ins Rennen geht. Nationen wie Spanien, Frankreich und Portugal weisen aktuell eine höhere Leistungsdichte auf. Diese Einschätzung deckt sich mit den Marktwerten: Die deutsche Auswahl belegt im internationalen Vergleich derzeit den sechsten Platz. Um diese Lücke zu schließen, ist Nagelsmann auf seine unangefochtenen Leistungsträger angewiesen.

Bangen um die Rückkehrer: Havertz und Musiala im Fokus

Ein zentraler Baustein für den Erfolg ist die Rückkehr der lange verletzten Offensivstars. Nagelsmann plant fest mit Jamal Musiala und Kai Havertz, die er ausdrücklich als Schlüsselspieler bezeichnet. Doch die Integration in das Teamgefüge bringt Herausforderungen mit sich. Der Münchner Dribbelkünstler Musiala laborierte zuletzt an einer Stressreaktion im Bein, während Havertz beim FC Arsenal immer wieder zu Pausen gezwungen war.

Das Gerüst der Mannschaft steht derweil fest: Kapitän Joshua Kimmich, Innenverteidiger Nico Schlotterbeck und der stark aufspielende Florian Wirtz bilden das Rückgrat. Nun gilt es, die von Verletzungen geplagten Akteure rechtzeitig auf Betriebstemperatur zu bringen.

Teamgeist schlägt Experimente

Wer bei der anstehenden Nominierung wilde Überraschungen erwartet, dürfte enttäuscht werden. Der Bundestrainer hat das klare Ziel ausgegeben, bereits im März jene Konstellation auf den Rasen zu schicken, die auch bei der Weltmeisterschaft auflaufen soll. Es geht darum, Abläufe zu festigen und ein starkes Wir-Gefühl zu etablieren. Eine spektakuläre Rückholaktion steht aktuell nicht auf der Agenda, auch wenn sich Nagelsmann die Option für einen überraschenden Mister X im späteren Frühjahr offenhält.

Defensive Sorgenfalten um Antonio Rüdiger

Eine weitere Baustelle tut sich in der Abwehrzentrale auf. Antonio Rüdiger, der lange als unumstrittener Abwehrchef galt, sorgte bei Real Madrid zuletzt für negative Schlagzeilen durch impulsive Aussetzer und musste zudem verletzungsbedingt pausieren. Für Nagelsmann stellt sich nun die Frage, wie er den Defensivspezialisten wieder stabil in das taktische Konzept einbinden kann, um die nötige Ruhe in die deutsche Hintermannschaft zu bringen.

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