Der THW Kiel kommt in der Handball-Bundesliga nicht zur Ruhe und hat den nächsten schweren Rückschlag erlitten. Nur wenige Tage nach der historischen Heimpleite gegen den VfL Gummersbach unterlagen die Norddeutschen am Donnerstagabend sensationell mit 27:32 (16:14) beim TVB Stuttgart. Für die Kieler bedeutet dieses Ergebnis nicht nur den Verlust wichtiger Punkte im Kampf um die Champions-League-Qualifikation, sondern auch ein Novum: Nach zuvor 22 Siegen in Folge ging der Rekordmeister erstmals überhaupt gegen die Schwaben als Verlierer vom Feld.

Krise an der Förde verschärft sich

Für die Mannschaft von Trainer Filip Jicha gleichen die letzten Wochen einem Albtraum. Das 26:34 gegen Gummersbach markierte bereits die höchste Heimniederlage seit fast 50 Jahren. Nun folgte in Stuttgart der nächste Tiefpunkt. Durch die erneute Nullnummer schwinden die Hoffnungen auf den zweiten Tabellenplatz und die damit verbundene Qualifikation für die Königsklasse zusehends.

Die Ratlosigkeit war den Spielern nach dem Abpfiff anzusehen. Kreisläufer Hendrik Pekeler fand deutliche Worte für die prekäre Lage: „Wir wussten, dass wir uns eigentlich keine Niederlage mehr leisten durften, jetzt sind es gleich zwei am Stück. Wir müssen weitermachen und irgendwie wieder in die Spur kommen.“

Personalsorgen und Kräfteverschleiß beim THW

Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass die „Zebras“ derzeit personell auf dem Zahnfleisch gehen. Der eng getaktete Terminkalender fordert seinen Tribut. Neben den Langzeitverletzten Elias Ellefsen á Skipagötu und Emil Madsen musste der THW kurzfristig auf die erkrankten Eric Johansson und Lukas Laube verzichten. Auch Nationaltorhüter Andreas Wolff war gesundheitlich angeschlagen und saß zunächst nur auf der Bank. Dennoch starteten die Gäste, die erst 48 Stunden zuvor in der European League gegen Irun gefordert waren, vielversprechend.

Starker Beginn, dramatischer Einbruch

In der Anfangsphase war von Müdigkeit keine Spur. Die Kieler bestraften die offensive Deckung des TVB Stuttgart gnadenlos und trafen in den ersten 14 Minuten jeden Wurf, was zu einer schnellen 9:4-Führung führte. Doch die Hausherren stellten ihre Abwehr um, verteidigten tiefer und kämpften sich heran. Dank einiger Paraden von Gonzalo Pérez de Vargas rettete Kiel noch eine knappe 16:14-Führung in die Halbzeitpause.

Nach dem Seitenwechsel kippte die Partie jedoch vollständig. Stuttgart, angeführt vom überragenden Kai Häfner (10 Tore), glich durch einen Tempogegenstoß von Marco Mengon zum 18:18 aus. In der Folge verlor der THW komplett den Zugriff. Technische Fehler häuften sich, und die Wurfeffektivität sank dramatisch.

Stuttgart nutzt Kieler Schwächephase konsequent

Ähnlich wie gegen Gummersbach brachen die Norddeutschen in der Schlussphase ein. Beim Stand von 21:27 aus Kieler Sicht war die Messe gelesen. Den entkräfteten Gästen fehlten die Mittel und die Moral für eine Aufholjagd. Während der TVB Stuttgart den ersten Sieg gegen den großen Favoriten ausgelassen feierte, müssen die Kieler nun dringend Lösungen finden, um den freien Fall in der Tabelle zu stoppen.

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