Die zweimalige Leichtathletik-Olympiasiegerin Caster Semenya hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) für die geplante Wiedereinführung genetischer Geschlechtstests scharf kritisiert. Die Neuregelung, die ab den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles greifen soll, bezeichnete die Südafrikanerin am Sonntag in Kapstadt als offene Respektlosigkeit gegenüber Frauen im Spitzensport.

Enttäuschung über IOC-Präsidentin Kirsty Coventry

Besonders hart traf die Ankündigung die Ausnahmeläuferin auf persönlicher Ebene. Semenya, die bereits seit Jahren einen kräftezehrenden juristischen Kampf gegen die bisherige Testosteron-Regel des Leichtathletik-Weltverbandes führt, zeigte sich maßlos enttäuscht von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry. Dass die Entscheidung von einer Verantwortlichen aus Simbabwe mitgetragen wird, sei für sie unverständlich. Es sei verletzend, dass ausgerechnet eine Frau aus Afrika, die wissen müsse, wie stark Athletinnen aus dem globalen Süden von dieser Thematik betroffen sind, einen solchen Kurs stütze.

SRY-Gen-Screening ab Los Angeles 2028 obligatorisch

Hintergrund der hitzigen Debatte ist ein am Donnerstag vom IOC kommunizierter Beschluss. Um die Startberechtigung in reinen Frauenwettbewerben künftig exklusiv auf biologische Frauen zu beschränken, wird ein voraussichtlich einmaliges SRY-Gen-Screening zur Pflicht. Das Komitee erhofft sich durch diese strikte Maßnahme mehr Fairness und Sicherheit auf dem Spielfeld. Damit orientiert sich die olympische Dachorganisation an der Vorgehensweise diverser Weltverbände, etwa im Boxen oder in der Leichtathletik. Genetische Geschlechtstests auf olympischer Bühne hatte es zuletzt bei den Sommerspielen 1996 in Atlanta gegeben.

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