US-Eiskunstläufer Ilja Malinin hat sich erstmals ausführlich zu seinem dramatischen Scheitern bei den Olympischen Winterspielen geäußert. Im Gespräch mit der ARD in Zürich blickt der Top-Favorit auf die schmerzhafte Niederlage in Mailand zurück und erklärt, wie er trotz verpasster Goldmedaille zu neuer Stärke gefunden hat.

Vom „Vierfach-Gott“ zum tragischen Helden

Die Erwartungen an den 21-Jährigen waren gigantisch. Ilja Malinin reiste als haushoher Favorit zu den Olympischen Spielen. Noch im Dezember hatte der US-Amerikaner die Konkurrenz dominiert, als er mit einer Weltrekord-Kür und sieben perfekt ausgeführten Vierfachsprüngen den Grand Prix gewann – eine Leistung, die vor ihm noch keinem Athleten gelungen war. Doch auf der größten Bühne der Welt in Mailand folgte der Einbruch: Der selbsternannte „Vierfach-Gott“ stürzte in seiner Kür mehrfach und verpasste das sicher geglaubte Einzel-Gold.

Bei der Veranstaltung „Art on Ice“ in Zürich traf der ehemalige Weltklasse-Läufer und ARD-Reporter Daniel Weiss den gefallenen Favoriten zum Exklusiv-Interview. Dabei zeigte sich Malinin reflektiert, aber auch verletzlich.

Die Tage nach dem Olympia-Schock

Der mentale Absturz nach dem Wettkampf war tief. Auf die Frage, wie er die Zeit unmittelbar nach der verpatzten Kür erlebt habe, fand Malinin deutliche Worte. „Ehrlich gesagt, es war nicht gut. Es fühlte sich an, als wären all die Jahre der Vorbereitung und des Trainings bis dahin völlig umsonst gewesen“, gestand der Ausnahmekönner.

Besonders bitter für den jungen US-Star: Körperlich sei er in Bestform gewesen. Das Programm sollte eigentlich „das einfachste meines Lebens“ werden. Die Wut auf sich selbst sei zunächst riesig gewesen. „Dass es dann so kam, war wirklich niederschmetternd“, so Malinin über die Diskrepanz zwischen Trainingseindrücken und dem Wettkampf-Desaster.

Selbsterkenntnis und Fan-Liebe statt Gold

Doch aus der sportlichen Tragödie zog Malinin eine wichtige persönliche Lehre. Die Reaktion der Öffentlichkeit überraschte ihn positiv. Statt Häme erfuhr er eine Welle des Mitleids und der Unterstützung. „Ich habe so viel mehr Follower, so viel mehr Fans, die mich unterstützen“, erklärte er im Interview. Selbst auf der Straße werde er nun erkannt – eine neue Erfahrung für den Eiskunstläufer.

Diese Unterstützung half ihm bei der Identitätsfindung abseits des reinen Erfolgsdrucks. „Jetzt habe ich erkannt, wer ich wirklich bin“, resümierte Malinin. Er sei nicht nur der Medaillenjäger, sondern „Ilja Malinin, nur diese Person, die es liebt, diese Leidenschaft für Eiskunstlauf zu haben.“

Abschließend zeigte sich der 21-Jährige kämpferisch und gelassen zugleich. Es sei „nur Eiskunstlauf“ und nicht das Ende der Welt. Sein Fokus liegt nun darauf, wieder aufzustehen und weiterzumachen – mit einer Reife, die vielleicht mehr wert ist als die verpasste Medaille.

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