Johannes Lochner hat sich seinen großen Traum erfüllt und bei den Olympischen Winterspielen 2026 Gold im Zweierbob gewonnen. Auf der Bahn in Cortina d'Ampezzo führte der Pilot einen historischen deutschen Dreifacherfolg an und verwies Dauerrivale Francesco Friedrich sowie Adam Ammour auf die Plätze.

Souveräner Sieg vor Francesco Friedrich

Nach zwei Silbermedaillen bei den Spielen in Peking vor vier Jahren stand Johannes Lochner diesmal ganz oben auf dem Treppchen. Angeschoben von Georg Fleischhauer dominierte der Berchtesgadener den Wettbewerb im kleinen Schlitten nach Belieben. Mit einer Gesamtzeit von 3:39,70 Minuten distanzierte er die Konkurrenz deutlich.

Der Vorsprung auf den zweitplatzierten Francesco Friedrich (mit Alexander Schuller) betrug im Ziel gigantische 1,34 Sekunden. Friedrich, der die Szene über Jahre dominiert hatte, fand in Italien kein Mittel gegen seinen Teamkollegen. Das Podium komplettierte Adam Ammour mit Anschieber Benedikt Hertel, der 1,82 Sekunden Rückstand aufwies, aber den totalen Triumph für den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) perfekt machte.

Lochner emotional: "Es gibt nichts Geileres"

Im Zielbereich brachen beim neuen Olympiasieger alle Dämme. Die Erleichterung, es endlich geschafft zu haben, war greifbar. "Es gibt gerade nichts Geileres, als wenn so ein Plan aufgeht", jubelte Lochner am Sportschau-Mikrofon. Der sonst so analytische Pilot zeigte sich von seinen Gefühlen überwältigt: "Das ist so ein Glücksgefühl gerade, ich kann es gar nicht beschreiben."

Ein Sonderlob hatte der Goldmedaillengewinner für seinen Hintermann parat. Er dankte Georg Fleischhauer, der ihn "massiv in die Bahn" gepresst habe, wodurch diese Fabelzeiten erst möglich wurden. Selbst über den riesigen Vorsprung zeigte sich Lochner verwundert.

Vorentscheidung schon zur Halbzeit

Das erwartete Duell der Giganten entwickelte sich früh zu einer einseitigen Angelegenheit. Bereits nach dem ersten Tag und zwei Läufen lag der "Hansi" 0,80 Sekunden vor dem "Franz". Während Lochner die anspruchsvolle Bahn in Cortina wie auf Schienen meisterte, leistete sich Friedrich ungewohnte Bandenberührungen.

Auch im dritten Lauf ließ der Führende nichts anbrennen und fuhr erneut Bestzeit (54,89 Sek.), während Friedrich den Rückstand auf fast eine Sekunde anwachsen ließ. Der geschlagene Rekordweltmeister erkannte die Leistung seines Konkurrenten neidlos an: "Er war einfach das gesamte Jahr besser. Und sie haben auch hier am besten performed." Friedrich vermutete zudem einen Materialvorteil beim Siegerteam: "Sie haben irgendeinen Trick gefunden, wie sie uns davonfahren."

Ammour hält US-Konkurrenz auf Distanz

Spannung bot vor allem der Kampf um Bronze. Adam Ammour musste sich gegen das US-Duo Frankie del Duca und Joshua Williamson behaupten, die zur Halbzeit nur eine Zehntelsekunde zurücklagen. Doch der deutsche Nachwuchspilot behielt die Nerven, baute den Vorsprung im dritten Lauf entscheidend aus und brachte die Medaille sicher ins Ziel. Für Ammour ist Edelmetall gleich bei der Olympia-Premiere ein herausragender Erfolg – ein Kunststück, das weder Lochner noch Friedrich bei ihren ersten Spielen gelungen war.

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