Der Kampf um die deutsche Olympia-Bewerbung ist in vollem Gange. Berlin, Hamburg, München und der Verbund KölnRheinRuhr konkurrieren darum, als offizieller Kandidat des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 ins Rennen zu gehen. Die finale Entscheidung fällt im Herbst, doch schon jetzt investieren die potenziellen Ausrichterstädte zweistellige Millionenbeträge in ihre Vorzeige-Konzepte.

Millionen-Investitionen für den olympischen Traum

Wer das größte Sportereignis der Welt in die eigene Region holen will, muss tief in die Tasche greifen. Um im internen Auswahlprozess des Dachverbandes zu überzeugen, planen die vier Bewerber derzeit mit Ausgaben zwischen sechs und 18 Millionen Euro. Insgesamt summieren sich die Vorab-Kosten für Konzepterstellungen und Kampagnen zur Bürgerbeteiligung auf stolze 50 Millionen Euro.

Der DOSB verspricht sich von einer erfolgreichen Kandidatur beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) einen massiven Schub für die Gesellschaft. Das Mega-Event soll das Land einen und zu Höchstleistungen motivieren. Die teilnehmenden Metropolen lockt zudem die Aussicht auf üppige Fördermittel von Bund und Ländern. Mit diesen Geldern könnten der öffentliche Nahverkehr ausgebaut und dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden. Unterstützt werden die Hauptbewerber von Kiel und Rostock-Warnemünde, die sich als Austragungsorte für die Wassersport-Wettbewerbe in Stellung bringen.

Kritik am Bewerbungs-Wettlauf: Breitensport leidet

Doch der finanzielle Aufwand für das reine Bewerbungsverfahren stößt nicht überall auf Gegenliebe. Gerade an der Basis wächst der Unmut über die millionenschweren Kampagnen. Kritiker wie Roland Schüler vom Bündnis NOlympia Colonia fordern ein Umdenken. Allein die Stadt Köln, die Teil des NRW-Verbundes ist, rechnet mit Bewerbungskosten von rund 2,5 Millionen Euro, wovon das Land Nordrhein-Westfalen den Löwenanteil von 85 Prozent übernimmt.

Für Schüler und viele engagierte Bürger sind diese Summen falsch priorisiert. Sie verweisen auf den massiven Sanierungsstau im lokalen Breitensport. Anstatt Millionen in Hochglanz-Konzepte für die ferne Zukunft zu stecken, fehle das Geld im Hier und Jetzt. Marode Schulsporthallen, fehlende Schwimmbäder und unbespielbare Fußballplätze prägen in vielen Kommunen den Alltag. Ein anschauliches Beispiel bietet das Gymnasium Kreuzgasse in der Kölner Nordstadt: Wo früher der Schulsportplatz lag, dominieren heute Bauzäune und Bagger, da ein Interimsbau für die jahrelange Schulsanierung den Platz blockiert. Ob das Versprechen glänzender Medaillen künftig die Sorgen des Breitensports aufwiegen kann, muss der DOSB im Herbst bei seiner endgültigen Standortwahl beantworten.

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