Das Visier ist eingestellt, der Gegner identifiziert: Jens Luraas Oftebro heißt der Mann, den es zu schlagen gilt, wenn die deutschen Kombinierer den drohenden Olympia-Nullnummer abwenden wollen. Vinzenz Geiger, Johannes Rydzek und Julian Schmid blasen nach dem enttäuschenden Auftakt zur Attacke auf der Großschanze – und setzen dabei auf ganz spezielle Bedingungen.

Frenzels Kampfansage: „Das sind Wettkampftypen“

Die Anspannung im deutschen Lager ist greifbar. Eine Woche nach dem Fehlstart in die Olympischen Spiele stehen die Athleten des Deutschen Skiverbandes (DSV) unter Zugzwang. Es drohen die ersten Winterspiele seit 2010 ohne eine einzige Einzelmedaille für die einstigen „Dominierer“ der Szene. Doch Bundestrainer Eric Frenzel will von Panik nichts wissen.

„Die Jungs haben weiter das Vertrauen in sich und sind gut drauf. Das sind Wettkampftypen“, betonte der Coach vor der entscheidenden Konkurrenz von der Großschanze (Springen 10:00 Uhr, Langlauf 13:45 Uhr). Dass das Team Potenzial hat, zeigte Johannes Rydzek bereits zum Auftakt, als er mit einem achten Platz zumindest für einen Lichtblick sorgte. Nun soll Edelmetall folgen.

Wetterumschwung spielt Geiger in die Karten

Die Hoffnung ruht nicht nur auf der mentalen Stärke, sondern auch auf den äußeren Bedingungen. Peking-Olympiasieger Vinzenz Geiger sieht im Wetterumschwung einen entscheidenden Vorteil für das deutsche Trio.

„Das Gute ist, dass die Strecke bei den niedrigeren Temperaturen nicht mehr so weich sein wird. Das kommt uns entgegen“, analysierte der Oberstdorfer die Loipe. Während der Laufpart traditionell die Stärke der Deutschen ist, liegt der Schlüssel zum Erfolg auf dem Bakken. „Wir haben die Schanze noch nicht zu 100 Prozent geknackt, aber wir sind kurz davor“, gab Frenzel nach dem Abschlusstraining zu Protokoll.

Rydzeks „Last Dance“ und der norwegische Riese

Besonderes Augenmerk liegt auf dem Routinier des Teams: Johannes Rydzek. Der 34-Jährige hinterließ im Training den stabilsten Eindruck und entschied sich für eine riskante, aber erfahrene Maßnahme: Er ließ das Montagstraining komplett sausen. „Ich will körperlich und mental alle Kräfte sammeln“, erklärte der siebenmalige Weltmeister dem SID.

Für Rydzek ist es der letzte olympische Einzelwettkampf seiner glanzvollen Karriere. „Ich werde es auf jeden Fall noch mal genießen – ganz egal, was rauskommt“, so der Altmeister. Doch zwischen ihm und dem perfekten Abschied steht der Top-Favorit aus Norwegen: Jens Luraas Oftebro.

Der Norweger triumphierte bereits auf der Normalschanze und zeigte auch auf der großen Anlage keine Schwächen. Dennoch gibt sich das deutsche Lager kämpferisch. Julian Schmid formulierte die Marschroute unmissverständlich: „Wir wollen um die Medaillen kämpfen.“ Auch Frenzel glaubt an die Chance gegen den Überflieger: „Jeder ist zu schlagen, auch er. Wir müssen einfach bei uns bleiben.“ Sollte der Coup misslingen, bleibt nur noch der Teamsprint am Donnerstag als letzte Hoffnung.

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