Johanna Recktenwald hat sich bei den Paralympischen Winterspielen ihren großen Traum erfüllt. Im Einzelrennen über 12,5 Kilometer der sehbeeinträchtigten Frauen sicherte sich die 24-Jährige am Dienstag die Bronze-Medaille. Für die deutsche Para-Sportlerin des Jahres ist es das erste Edelmetall bei diesen Spielen, nachdem sie im Sprint das Podest noch knapp verpasst hatte.

Nervenstärke am Schießstand als Schlüssel zum Erfolg

Die Grundlage für den Erfolg legte die Saarländerin am Schießstand. Während die Konkurrenz patzte, blieb Recktenwald bei allen vier Einlagen absolut fehlerfrei. Gemeinsam mit ihrer Begleitläuferin Emily Weiss absolvierte sie die 12,5 Kilometer lange Strecke in einer souveränen Manier, musste sich im Ziel jedoch der überragenden Konkurrenz aus Asien und Osteuropa geschlagen geben.

Gold ging an die Chinesin Yue Wang, die trotz eines Schießfehlers in 35:04,7 Minuten nicht zu schlagen war und in ihrer eigenen Liga lief. Silber sicherte sich die Tschechin Simona Bubenickova, die ebenfalls eine Scheibe stehen ließ, aber läuferisch stärker als die Deutsche war (+1:39,2 Minuten). Recktenwald kam mit gut zwei Minuten Rückstand auf die Siegerin ins Ziel.

Knoten geplatzt: Ersehntes Edelmetall für Recktenwald

Für die Studentin der Gesundheitspädagogik ist dieser dritte Platz eine enorme Erleichterung. Nach Rang fünf im Sprint, wo die Medaillenränge noch knapp außer Reichweite waren, belohnte sich Recktenwald nun für ihre Konstanz. Die Biathletin, die aufgrund einer Zapfen-Stäbchen-Dystrophie nur über zwei bis drei Prozent Sehkraft verfügt, hatte bereits in der laufenden Saison mit dem Gewinn des Gesamtweltcups ihre Ambitionen unterstrichen.

Walter und Kazmeier verpassen das Podest

Weniger Glück hatten die weiteren deutschen Starterinnen. Leonie Maria Walter, die im Sprint noch Bronze geholt hatte, musste sich diesmal mit dem fünften Platz (+3:50,7 Minuten) zufrieden geben. Die Peking-Olympiasiegerin leistete sich zwei Schießfehler – zu viel für den Kampf um die vorderen Plätze in diesem hochklassigen Feld.

Auch für das 19-jährige Top-Talent Linn Kazmeier reichte es nicht für ganz vorne. Die siebenfache Weltmeisterin landete direkt hinter Walter auf Rang sechs. Zwar zeigte Kazmeier mit nur einem Fehler eine solide Leistung am Gewehr, konnte jedoch läuferisch das Tempo der Spitze nicht mitgehen und kam mit über sechs Minuten Rückstand ins Ziel.

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