Der Start der Paralympischen Spiele an diesem Freitag in Verona wird von massiven politischen Spannungen überschattet. Statt Vorfreude auf die Wettbewerbe dominiert eine kontroverse Entscheidung die Schlagzeilen: Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hat beschlossen, der Eröffnungsfeier fernzubleiben. Hintergrund ist die Zulassung russischer und belarussischer Athleten unter ihren jeweiligen Landesflaggen durch das Internationale Paralympische Komitee (IPC).

Deutsche Delegation bleibt Verona fern

Die deutsche Haltung ist ein klares Zeichen der Solidarität mit der Ukraine. Ursprünglich sollten die Monoski-Fahrerin Anna-Lena Forster und der Eishockey-Spieler Jörg Wedde die deutschen Farben repräsentieren. Zwar werden sie offiziell als Fahnenträger geführt, jedoch lediglich in einem eingespielten Videoclip zu sehen sein. Eine physische Anwesenheit im Amphitheater von Verona wird es für die gesamte deutsche Delegation – inklusive Verbandsmitgliedern und Politikern – nicht geben.

Organisatorisch hatten die Veranstalter ohnehin auf den klassischen Einmarsch der Athleten verzichtet. Doch der nun vollzogene Boykott der Feierlichkeiten durch den DBS wiegt schwerer als logistische Gründe. Der Verband hatte lange gezögert und sich erst am Dienstag final zu diesem Schritt entschlossen, nachdem die Kritik am Vorgehen des Weltverbandes immer lauter wurde.

Kritik an Russland-Start unter Landesflagge

Auslöser der Kontroverse ist die Haltung des IPC unter Präsident Andrew Parsons. Entgegen der Praxis vieler anderer Sportverbände dürfen Sportler aus Russland und Belarus trotz des andauernden Angriffskrieges gegen die Ukraine nicht nur teilnehmen, sondern dies auch unter ihren nationalen Symbolen tun. Die Ukraine hatte diesen Schritt im Vorfeld scharf verurteilt, woraufhin sich mehrere Nationen dem Boykott der Zeremonie anschlossen.

DBS-Vorstand Gonschinska fordert Fokus auf den Sport

Trotz der klaren politischen Kante zeigt sich der deutsche Verband überrascht davon, wie sehr das Sportliche in den Hintergrund gerückt ist. Idriss Gonschinska, der Vorstandsvorsitzende des DBS, betonte am Donnerstag die Zwickmühle, in der sich der Verband befindet. Man habe sich den "sportpolitischen, juristischen und emotionalen" Entscheidungsprozess nicht leicht gemacht und diesen eng mit den Athleten vor Ort abgestimmt.

Gonschinska appellierte dennoch an die Öffentlichkeit, die Leistungen der Sportler nicht zu vergessen: "Hier gehen Lebensträume auf, hier haben Athleten seit vielen Jahren daraufhin gefiebert. Neben aller kritischen Haltung, die wichtig ist, kann ich jetzt dazu einladen, sich über die Wettbewerbe mit dem paralympischen Sport auseinanderzusetzen." Während das IPC seine Entscheidung verteidigt, bleibt die Atmosphäre vor dem Startschuss in Italien angespannt.

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