Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) setzt kurz vor Beginn der Spiele ein deutliches politisches Signal. Team Deutschland wird aus Protest gegen die Zulassung von Athleten aus Russland und Belarus nicht am traditionellen Einmarsch der Nationen bei der Eröffnungsfeier der Paralympics teilnehmen. Dies teilte der Verband offiziell mit und begründete den Schritt mit einer klaren Haltung gegenüber dem Internationalen Paralympischen Komitee (IPC).

Verzicht auf Einmarsch in Verona: Ein Zeichen der Solidarität

Die deutsche Delegation wird keine Sportler und Offizielle in das Amphitheater von Verona entsenden, wo die Zeremonie stattfinden soll. Diese Entscheidung ist laut DBS-Mitteilung zweigeteilt motiviert: Sie diene "sowohl der Konzentration auf die bevorstehenden Wettkämpfe als auch dem Anliegen, die solidarische Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation respektvoll zum Ausdruck zu bringen". Damit reagiert der Verband auf die kontroverse Debatte um die Teilnahmeberechtigung russischer und belarussischer Athleten.

Einen kompletten Boykott der Feierlichkeiten stellt diese Maßnahme jedoch nicht dar. Wie der Verband betonte, wird das Team Deutschland Paralympics an den vorab aufgezeichneten Segmenten, die während der Live-Übertragung im Stadion und im Fernsehen eingespielt werden, "wie vorgesehen teilnehmen". Der DBS spricht hierbei von einem Balanceakt, der "sportliche Fokussierung mit einer eindeutig wertebasierten Position" verbindet.

Scharfe Kritik am IPC wegen Wildcard-Vergabe

Vorausgegangen war eine Kehrtwende in der Strategie des Verbandes. Hatte Verbandspräsident Hans-Jörg Michels zuletzt gegenüber dem SID noch geäußert, er halte "nichts" von einem Boykott, da dies "im Grunde genommen nichts bringt für den Sport", änderte sich die Bewertung nach den jüngsten Beschlüssen des Dachverbandes. Das IPC hatte im Februar sechs Wildcards an russische sowie vier an belarussische Sportler vergeben, die unter neutraler Flagge starten dürfen.

Der DBS kritisiert dieses Vorgehen scharf und verweist darauf, dass weder der Beschluss der IPC-Generalversammlung im September 2025 noch das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) eine Verpflichtung beinhalteten, Startplätze an diese Nationen zu vergeben. "Die Entscheidung des IPC fordert die Paralympische Bewegung in besonderem Maße heraus", so das Statement des deutschen Verbandes. Priorität habe nun der Schutz der eigenen Athleten und deren Werteverständnis.

Internationale Allianz: Weitere Nationen schließen sich an

Deutschland steht mit seiner Haltung nicht allein da. Der Schritt reiht sich in eine wachsende internationale Protestbewegung ein. Neben der Ukraine haben bereits zahlreiche weitere Nationen angekündigt, der Eröffnungsfeier in diesem Rahmen fernzubleiben. Dazu zählen Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, die Niederlande und Tschechien.

Der Tenor dieser breiten Allianz ist eindeutig: Es gehe darum, den Kern der paralympischen Idee zu bewahren – faire Wettkämpfe in einem friedlichen Umfeld. "Gerade in herausfordernden Zeiten bleibt es unsere gemeinsame Aufgabe, die Paralympischen Werte sichtbar zu leben und die Integrität des Sports entschlossen zu schützen", unterstreicht der DBS abschließend.

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