Markus Krösche, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, hat deutliche Worte zur aktuellen Lage der deutschen Nationalmannschaft gefunden. Der 45-Jährige übte im Rahmen des Frühjahrsempfangs der Hessen scharfe Kritik an der Entwicklung des DFB-Teams und bezeichnete die Mannschaft im internationalen Vergleich als derzeit nicht konkurrenzfähig. Zudem identifizierte er gravierende Versäumnisse in der deutschen Nachwuchsarbeit der letzten Jahre.

Krösche sieht Deutschland im Hintertreffen

Die Analyse des Frankfurter Machers fiel ernüchternd aus. "Die Nationalmannschaft ist eigentlich in gewissen Bereichen nicht mehr wettbewerbsfähig gegenüber großen Nationen", lautete das knallharte Urteil von Markus Krösche. Für den SGE-Boss ist der aktuelle Status quo keine Momentaufnahme, sondern das Resultat einer langfristigen Fehlentwicklung.

Besonders den Umgang mit dem WM-Triumph 2014 sieht der Ex-Profi kritisch. DFB und DFL hätten sich zu sehr auf diesem Erfolg ausgeruht. "Ich glaube, dass wir seit diesem Moment so ein bisschen den Weg verlassen haben. Wenn du erfolgreich bist, dann machst du meistens die größten Fehler", so Krösche. Deutschland habe den Anschluss verpasst, weil man es in den letzten Jahren "einfach viel zu schlecht gemacht" habe – insbesondere im Verhältnis zur internationalen Konkurrenz.

Falsche Schwerpunkte bei der Trainerausbildung

Ein Hauptproblem sieht der Eintracht-Funktionär in der Ausrichtung der Trainer im Jugendbereich. Der Fokus habe sich zu stark verschoben. "Weil der Fokus der Trainer immer darauf ist, sich selbst zu entwickeln, irgendwie in die Bundesliga zu kommen", erklärte Krösche. Dies führe dazu, dass nackte Ergebnisse im Vordergrund stünden, "womit die individuelle Entwicklung von Spielern oft auf der Strecke bleibt."

Um wieder zur Weltspitze aufzuschließen, sei ein radikales Umdenken notwendig. Die Priorität müsse wieder voll auf der individuellen Förderung junger Talente liegen, statt auf tabellarischen Erfolgen im Juniorenbereich.

Reicht die neue DFL-Nachwuchsliga?

Als Reaktion auf die Nachwuchskrise hatte die DFL am Dienstag die Einführung einer neuen U21-Liga bestätigt. Dieser Wettbewerb soll als freiwilliges Zusatzangebot den Übergangsbereich stärken und richtet sich an Spieler der Altersklassen U17 bis U21, ergänzt durch bis zu vier ältere Akteure pro Team.

Für Markus Krösche ist dies ein Ansatz, aber noch lange keine Komplettlösung. "Wir haben zudem noch viele Entwicklungsfelder in der Trainerentwicklung und in der Spielerentwicklung", warnte der Sportvorstand. Auch hier habe der deutsche Fußball zuletzt zu viele Fehler gemacht. Die Einführung neuer Ligastrukturen allein wird laut Krösche nicht ausreichen, um die "Wettbewerbsfähigkeit" gegenüber den großen Fußballnationen kurzfristig wiederherzustellen.

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