Die iranische Nationalmannschaft plant offenbar nun doch die Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 2026, fordert jedoch eine Verlegung ihrer Vorrundenspiele. Aufgrund der massiven politischen Spannungen mit den USA verhandelt der Iran laut eigenen Angaben mit dem Weltverband FIFA über einen Spielortwechsel nach Mexiko.

Hoffnung auf Mexiko statt WM-Boykott

Noch vor wenigen Tagen stellte die politische Führung in Teheran einen Boykott des Turniers als alternativlos dar. Nun rückt der Iran von diesem drastischen Schritt offenbar ab. Sportminister Ahmed Donjamali erklärte gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Irna, man prüfe mit der FIFA aktiv die Möglichkeit einer Verlegung. Er hoffe, dass die Bedingungen geschaffen werden, damit die Mannschaft am Turnier teilnehmen könne.

Hinter den Kulissen werten Beobachter diesen Vorstoß jedoch primär als gezielte Propaganda des Regimes. Die realen Erfolgschancen für dieses Ansinnen gelten als äußerst gering, zumal der Fußball-Weltverband auf Medienanfragen zu den Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die anstehende Endrunde konsequent schweigt.

Gruppe G: Logistische Hürden und Einreiseverbote

Die sportliche Ausgangslage in der Gruppe G ist anspruchsvoll: Der Iran trifft auf Belgien, Ägypten und Neuseeland. Sämtliche Partien dieser Konstellation sind planmäßig in den Vereinigten Staaten angesetzt – dem aktuellen Kriegsgegner des Landes. Ein Ausweichen in das benachbarte Mexiko oder nach Kanada hätte aus iranischer Sicht einen entscheidenden Vorteil: Dort dürften iranische Anhänger ihre Mannschaft im Stadion unterstützen. Die Einreise in die USA ist ihnen durch ein von US-Präsident Donald Trump erlassenes Dekret strikt untersagt.

Selbst wenn die FIFA einer Verlegung der Gruppenphase zustimmen sollte, wäre das Problem nur aufgeschoben. Übersteht der Iran die Vorrunde, finden die Partien ab der Runde der besten 32 Mannschaften ausnahmslos auf US-amerikanischem Boden statt.

FIFA und Donald Trump: Wenig Aussicht auf Erfolg

Eine kurzfristige Verlegung ganzer Spieltage ist nicht nur wegen gewaltiger Entfernungen, bereits gebuchter Teamquartiere und des laufenden Ticketverkaufs ein logistischer Albtraum. Auch auf politischer Ebene sind die Türen verschlossen. FIFA-Präsident Gianni Infantino pflegt ein exzellentes Verhältnis zu Donald Trump und wird kaum Interesse daran haben, der iranischen Regierung kurzfristige Extrawünsche zu erfüllen.

Trump wies jüngste Vorwürfe aus dem Iran, die USA könnten und wollten die Sicherheit der Mannschaft nicht garantieren, am Freitag vehement zurück. Die WM werde das sicherste Sportereignis der US-Geschichte, betonte der Präsident. Gleichzeitig schickte er jedoch eine beunruhigende Warnung hinterher: Die iranische Auswahl sei zwar willkommen, setze sich im Land aber einer Gefahr für ihr Leben aus. In diesem toxischen Spannungsfeld bleibt ein reibungsloser sportlicher Ablauf vorerst schwer vorstellbar.

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