Juri Knorr mit Gala-Auftritt

Die Ausgangslage war klar: Wegen der überraschenden französischen Niederlage gegen Spanien hätte Deutschland bereits ein Remis gereicht. Bundestrainer Alfred Gislason setzte wieder auf die bei der Niederlage gegen Weltmeister Dänemark geschonten Flügelspieler Lukas Zerbe und Lukas Mertens, die ebenso wie Torhüter Andreas Wolff in die Startformation zurückkehrten. Wolff hatte im Turnierverlauf mehrfach seine Klasse unter Beweis gestellt, insbesondere mit einer herausragenden Leistung gegen Norwegen, und bestätigte damit erneut seinen Status als klare Nummer eins. Verzichten musste der Isländer hingegen auf Abwehrspezialist Tom Kiesler, der krankheitsbedingt fehlte.

Frankreich startete mit viel Aggressivität, vor allem Dika Mem übernahm früh Verantwortung. Fünf der ersten acht französischen Treffer gingen auf das Konto des rechten Rückraumspielers. Doch Deutschland hielt dagegen, insbesondere in Person von Juri Knorr. Der Spielmacher, zuvor noch nicht konstant auf Topniveau, traf im ersten Durchgang sechsmal bei sechs Versuchen und lenkte das Angriffsspiel der DHB-Auswahl mit Übersicht und Tempo.

Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase setzte sich die deutsche Mannschaft erstmals ab. Johannes Golla und Renars Uscins erhöhten auf 10:7. Zur Pause führte Deutschland verdient mit vier Toren.

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Grgic macht alles klar

Auch nach dem Seitenwechsel blieb das DHB-Team zunächst stabil. Knorr traf weiter nahezu fehlerlos, beim 24:19 hatte er zehn Treffer bei zehn Würfen auf dem Konto. Frankreich kam jedoch zurück. Mit zunehmender Spielzeit fanden die französischen Torhüter besser ins Spiel, der Vorsprung schmolz. Als die Équipe Tricolore Mitte der zweiten Hälfte bis auf ein Tor herankam, drohte die Partie zu kippen.

Gislason reagierte und brachte Andreas Wolff zurück ins Tor.Der Keeper vom THW Kiel sorgte für die nötige Stabilität, und im Angriff übernahm Marko Grgic Verantwortung und stellte mit zwei wuchtigen Treffern aus dem Rückraum entscheidend auf 34:31. Frankreich spielte in der Schlussphase Alles-oder-nichts, doch Deutschland blieb nervenstark und spielte den Sieg souverän zu Ende. Spieler des Spiels wurde der überragende Juri Knorr.

Halbfinale gegen Kroatien: Wiedersehen mit einem Bekannten

Durch den Erfolg steht fest: Deutschland trifft im Halbfinale am Freitagabend ( auf Kroatien. Brisant ist das Duell auch wegen des Trainers: Kroatiens Nationaltrainer Dagur Sigurdsson führte Deutschland 2016 zum EM-Titel. Zudem war Kroatien der Gegner in den beiden letzten Testspielen vor dem Turnier, die das DHB-Team jeweils für sich entschied. Die Vorzeichen für das Halbfinale sind damit zumindest nicht ungünstig.

DHB-Coach Gislason warnte dennoch eindringlich: „Das zählt natürlich gar nichts. Kroatien ist eine sehr gute Mannschaft, die sich auf solche Spiele extrem fokussieren kann.“

Alle Halbfinalisten ohne perfekten Lauf

Im anderen Halbfinale treffen Dänemark und Island aufeinander, wobei der Gastgeber als klarer Favorit gilt. Auffällig ist: Keines der vier Halbfinalteams kam bislang ohne Niederlage durch das Turnier. Deutschland unterlag Serbien, Dänemark musste sich Portugal geschlagen geben, Island verlor gegen Kroatien, und Kroatien kassierte seine Niederlage gegen Schweden.

Die beiden Halbfinalspiele der Handball-EM werden am Freitag live in der ARD und in der ARD-Mediathek übertragen. Deutschland spielt um 18.00 Uhr, Titelverteidiger Dänemark trifft um 20.30 Uhr auf Island. Zudem sind alle 65 Spiele der Europameisterschaft beim kostenpflichtigen Streamingdienst Dyn zu sehen.

Im Spiel um Platz fünf begegnen sich Portugal und Schweden und kämpfen um die direkte Qualifikation für die WM 2027 in Deutschland.

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