Mit der Abschlussfeier am Sonntagabend enden die Paralympics 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo. Die Winterspiele wurden jedoch massiv von sportpolitischen Diskussionen um die Wiederzulassung russischer Athleten sowie von untypisch warmem Frühlingswetter geprägt.

Boykott der Eröffnungsfeier als erstes Zeichen

Bereits der Startschuss des Großevents im Amphitheater von Verona geriet zur sportpolitischen Farce. Zahlreiche Nationen, darunter auch Deutschland, blieben der Zeremonie fern. Neben organisatorischen Gründen und langen Anfahrtswegen stand vor allem die Solidarität mit der Ukraine im Vordergrund. Das Land wird seit nunmehr vier Jahren flächendeckend von Russland angegriffen. Die ukrainische Delegation hatte im Vorfeld massiv gegen die Entscheidung protestiert, russische und belarussische Sportler unter neutraler Flagge wieder zu den Wettkämpfen zuzulassen.

Linn Kazmaier setzt mutiges Statement auf dem Podest

Auch während der Wettbewerbe riss die Kritik nicht ab. Neben den lautstarken Protesten der ukrainischen Athleten setzten auch andere Nationen sichtbare Zeichen – so wie die deutsche Langläuferin Linn Kazmaier. Die 19-Jährige nutzte die große Bühne nach ihrem Gewinn der Silbermedaille im Sprint für eine unmissverständliche Geste. Gemeinsam mit ihrem Guide Florian Baumann drehte sie sich während der russischen Nationalhymne zur Seite und behielt demonstrativ ihre Wintermütze auf, die bei solchen Zeremonien üblicherweise abgenommen wird.

Beim anschließenden Siegerfoto hielt das deutsche Duo deutlich Abstand zu den russischen Gewinnern und lehnte ein gemeinsames Selfie ab. Im Interview mit der ARD differenzierte die Nachwuchsathletin jedoch reflektiert: Menschlich könne man den Erfolg durchaus gönnen, da man die persönliche politische Einstellung der russischen Gegnerinnen nicht kenne. Dennoch sei die Situation durch das russische System politisch schlichtweg nicht vertretbar.

Frühlingshafte Bedingungen erschweren die Wettkämpfe

Abseits der politischen Spannungen kämpften die Teilnehmer mit den Launen der Natur. Das ungewöhnlich warme Wetter in Norditalien sorgte sportartenübergreifend für weiche Pisten und schwierige Streckenverhältnisse. Snowboarder Christian Schmiedt fasste die Frustration vieler Athleten treffend zusammen, als er zynisch hinterfragte, ob er hier an Winter- oder doch eher an Frühlingsspielen teilnehme. Die Kombination aus politischer Last und widrigen äußeren Bedingungen sorgte unterm Strich dafür, dass der reine Sport bei diesen Paralympics oft in den Hintergrund rückte.

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