Die Rückkehr Russlands auf die paralympische Bühne in Italien wird von massiven sportpolitischen Diskussionen begleitet. Während die russische Para-Skifahrerin Warwara Worontschichina Gold im Super-G gewinnt und dies in ihrer Heimat staatlich gefeiert wird, formiert sich bei den internationalen Athleten vor Ort sichtbarer Protest gegen die Wiederzulassung der Nation unter eigener Flagge.

Russische Führung nutzt Goldmedaille für Propaganda

Die erste Goldmedaille für das russische Team nach der sportlichen Isolierung wurde in Moskau umgehend politisch vereinnahmt. In der landesweiten Hauptnachrichtensendung präsentierte das Staatsfernsehen den Triumph der Para-Skifahrerin Warwara Worontschichina ausgiebig. Der Sender betonte dabei stolz, dass die russische Nationalhymne erstmals seit zwölf Jahren wieder bei Paralympischen Spielen auf italienischem Boden erklang. Unmittelbar nach dem Rennen schaltete sich auch Russlands Sportminister Mikhail Degtyaryov ein und erklärte, es sei das erklärte Ziel gewesen, die heimische Hymne über Italien erklingen zu lassen.

Die politische Brisanz der Situation wurde der Siegerin kurz nach ihrem Erfolg offenbar selbst zu viel. Auf die Wiederzulassung ihres Landes unter eigener Flagge und die damit verbundenen Kontroversen angesprochen, brach Worontschichina ein Interview mit der ARD abrupt ab. Wenig später veröffentlichte der russische Staatschef Wladimir Putin ein schriftliches Statement, in dem er der Athletin öffentlich gratulierte und den Auftritt unter der Nationalflagge lobte – während zeitgleich der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine unvermindert andauert.

Stiller Protest bei der Siegerehrung durch deutsches Duo

Die demonstrative Zelebrierung der russischen Rückkehr stößt vor Ort auf breite Ablehnung, die sich längst nicht mehr nur auf das ukrainische Lager beschränkt. Einen deutlichen Akzent setzten die deutsche Langläuferin Linn Kazmaier und ihr Guide Florian Baumann. Das Duo sicherte sich im Sprintrennen die Silbermedaille hinter der Russin Anastasiia Bagiian.

Während der offiziellen Zeremonie ließen die beiden Deutschen Taten sprechen: Als die russische Hymne für die Siegerin eingespielt wurde, drehte sich das deutsche Gespann demonstrativ zur Seite ab. Zudem behielten Kazmaier und Baumann ihre Wintermützen auf dem Kopf, was einen bewussten Bruch mit dem üblichen Protokoll darstellt, nach dem Athleten bei Nationalhymnen ihre Kopfbedeckungen abnehmen. Solche Aktionen zeigen deutlich, dass der Riss durch die paralympische Familie tief ist und der Unmut über die sportpolitischen Entscheidungen des Verbandes auch in den kommenden Wettkampftagen präsent bleiben wird.

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