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Gianluca Rocchi, der Schiedsrichter-Koordinator der italienischen Serie A und B, hat am Wochenende mit sofortiger Wirkung sein Amt niedergelegt. Grund für diesen drastischen Schritt sind laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mailand wegen mutmaßlichen Sportbetrugs. Auch der VAR-Supervisor Andrea Gervasoni reichte am Samstagabend, den 25. April 2026, seinen Rücktritt ein. Dem italienischen Fußball droht damit ein neuer, handfester Manipulationsskandal.

Videoaufnahmen belasten Rocchi schwer

Den Ermittlern zufolge soll der 52-jährige Ex-Referee gezielt Druck auf seine aktiven Kollegen ausgeübt und massiven Einfluss auf Entscheidungen des Video Assistant Referees (VAR) genommen haben. Im Zentrum der Vorwürfe stehen laut übereinstimmenden Medienberichten mindestens zwei Partien der laufenden Saison: Das Aufeinandertreffen zwischen Udinese Calcio und Parma, welches Udinese durch einen fragwürdigen Strafstoß für sich entschied, sowie der 2:1-Sieg von Inter Mailand gegen Hellas Verona.

Besonders brisant ist ein von der Nachrichtenagentur Agi veröffentlichtes Video, das aus den Ermittlungsakten stammt. Darin ist der VAR-Schiedsrichter Daniele Paterna zu sehen, der sich nach einer potenziellen Handspiel-Szene zunächst gegen einen Elfmeterpfiff entscheidet. Die Aufnahmen zeigen jedoch, wie sich Paterna zu einer weiteren Person im Raum umdreht und seine Meinung plötzlich ändert. Er empfahl dem Hauptschiedsrichter auf dem Feld eine Überprüfung am Monitor, was letztendlich zu einem Elfmeter führte.

Pro Inter Mailand? Fragwürdige Ansetzungen im Fokus

Neben der direkten Spielbeeinflussung aus dem Hintergrund steht ein weiterer schwerwiegender Vorwurf im Raum. Wie die Gazzetta dello Sport berichtet, wird untersucht, ob bei der Ansetzung der Unparteiischen systematisch Schiedsrichter ausgewählt wurden, die Inter Mailand wohlgesonnen sein sollen. Der Fokus der Ermittler liegt hierbei auf diversen Begegnungen der aktuellen Spielzeit 2025/2026.

Der Beschuldigte selbst weist sämtliche Anschuldigungen kategorisch von sich. Rocchi betonte, stets korrekt und im Sinne des Sports gehandelt zu haben. Seinen freiwilligen Rückzug aus dem seit 2021 bekleideten Amt begründete er damit, den reibungslosen Ablauf der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht behindern zu wollen. Der Schiedsrichterverband AIA kündigte an, in Kürze über weitere personelle Konsequenzen zu beraten.

Ein dunkler Schatten aus der Vergangenheit: Erinnerungen an Calciopoli

Die Vorwürfe rufen in Italien böse Erinnerungen an den Sommer 2006 wach. Damals erschütterte die Calciopoli-Affäre die Fußballwelt, in deren Zuge ebenfalls Schiedsrichter-Ansetzungen im großen Stil manipuliert wurden. Als Hauptschuldiger wurde seinerzeit Rekordmeister Juventus Turin ausgemacht. Dem Verein wurden nicht nur die Meistertitel der Jahre 2005 und 2006 aberkannt, er musste auch den bitteren Gang in die zweitklassige Serie B antreten, schaffte jedoch den direkten Wiederaufstieg.

Dass die aktuelle Situation mit höchster Priorität behandelt wird, zeigt die Reaktion der italienischen Sportjustiz. Die Staatsanwaltschaft des Fußballverbands FIGC hat bereits die Ermittlungsakten aus Mailand angefordert, um eigene Schritte einzuleiten. Auch die Politik schaltet sich ein: Sportminister Andrea Abodi stellte unmissverständlich harte Konsequenzen in Aussicht, sollten sich die schwerwiegenden Verdachtsmomente der Manipulation bestätigen.

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