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Bundestrainer Julian Nagelsmann verkündet am Donnerstag den deutschen Kader für die bevorstehende Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada. Doch der Termin der Nominierung – unmittelbar vor dem DFB-Pokalfinale – sowie die generelle taktische Ausrichtung sorgen bei prominenten Beobachtern wie Lothar Matthäus und Uli Hoeneß für massive Kritik.

„Psychologisch unklug“: Ärger um den Termin der Kaderbekanntgabe

Am kommenden Samstag stehen sich der VfB Stuttgart und der FC Bayern München im Endspiel um den DFB-Pokal gegenüber. Dass der Bundestrainer sein Aufgebot für das Weltturnier ausgerechnet zwei Tage vor diesem nationalen Showdown präsentiert, stößt bei Lothar Matthäus auf großes Unverständnis. Der deutsche Rekord-Nationalspieler befürchtet spürbare negative Auswirkungen auf die Akteure, die kurz vor dem Endspiel aus ihren WM-Träumen gerissen werden.

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Wie der 65-Jährige im Gespräch mit der Sport Bild erklärte, sei der Zeitpunkt psychologisch unglücklich gewählt. Man werde zwangsläufig Spielern wehtun, die sich berechtigte Hoffnungen auf das Turnier gemacht haben. Eine Bekanntgabe am Tag nach dem Pokalfinale wäre aus seiner Sicht die deutlich bessere und sensiblere Lösung gewesen. Volle Unterstützung erhält Matthäus dabei von Philipp Lahm. Auch der Weltmeister-Kapitän von 2014 warnt davor, dass eine persönliche Enttäuschung über eine Nicht-Nominierung die Leistung der betroffenen Profis am Samstagabend entscheidend hemmen könnte.

Hoeneß bemängelt fehlende Konstanz bei der Nationalmannschaft

Neben der aktuellen Termin-Debatte sieht sich der DFB-Coach zudem mit grundsätzlichen sportlichen Zweifeln konfrontiert. Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern, äußerte massive Bedenken an der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Auswahl. Der langjährige Münchner Macher kritisierte beim Streamingdienst DAZN vor allem die mangelnde Kontinuität in der Startelf. Der Übungsleiter habe es bislang versäumt, eine fest eingespielte Formation auf den Rasen zu bringen.

Da Deutschland nach Ansicht von Hoeneß aktuell über keine echte Weltklasse-Mannschaft verfüge, müsse der Erfolg über ein blind funktionierendes Teamgefüge kommen. Er befürchtet stattdessen, dass beim ersten WM-Gruppenspiel eine Elf auf dem Platz stehen könnte, die in dieser Konstellation noch nie zusammengespielt hat. Zentrale Positionen wie das Sturmzentrum, die defensive Außenbahn und sogar die Besetzung im Tor seien weiterhin ungeklärt. Auf einen kritischen Austausch zu dieser Thematik habe Nagelsmann laut Hoeneß leicht beleidigt reagiert.

Der Fahrplan in der WM-Gruppenphase

Trotz des heftigen Gegenwinds abseits des Platzes rückt der sportliche Ernstfall unaufhaltsam näher. Am 11. Juni fällt der Startschuss für die Weltmeisterschaft in Nordamerika. Die DFB-Elf trifft in der Gruppe E auf die Elfenbeinküste, Ecuador und Curacao. In dieser Konstellation geht die deutsche Mannschaft als klarer Favorit auf das Weiterkommen in die Vorrunde – unabhängig davon, wem der Bundestrainer am Donnerstag das Vertrauen ausspricht.

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