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Der FC St. Pauli muss den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Die Hamburger besiegelten nach zwei Jahren in der Fußball-Bundesliga ihren Abstieg am Wochenende durch eine 1:3-Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg endgültig.

Trotz der Schützenhilfe des 1. FSV Mainz 05, der zeitgleich beim 1. FC Heidenheim gewann, reichte es für die Kiezkicker nicht mehr für den rettenden Relegationsplatz. Eine Sieglos-Serie von zehn Spielen im entscheidenden Saisonendspurt brach der Mannschaft von Trainer Alexander Blessin letztlich das Genick. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Abdoulie Ceesay war am Ende zu wenig, um die 20. Saisonniederlage abzuwenden.

Gänsehaut am Millerntor: Fans feiern ihre Mannschaft

Obwohl der sportliche Tiefschlag schmerzte, demonstrierte das Umfeld des Vereins einmal mehr seine Einzigartigkeit. Schon vor dem Abpfiff erhoben sich die Anhänger, hielten ihre braun-weißen Schals in die Höhe und stimmten lautstark You'll never walk alone an. Nach dem Schlusspfiff flossen auf dem Rasen die Tränen – bei Kapitän Jackson Irvine, Abwehrchef Hauke Wahl und dem Betreuerstab. Die Fans feierten ihre Mannschaft bedingungslos und sorgten für einen emotionalen sowie würdevollen Abschied aus dem deutschen Fußball-Oberhaus.

Selbstkritik statt Ausreden: Fehlendes Niveau im Endspurt

Die Verantwortlichen suchten die Schuld für den Absturz derweil nicht beim fehlenden Spielglück. Das direkte Duell gegen die Niedersachsen spiegelte vielmehr die Problematik der gesamten Saison wider: Individuelle Aussetzer wie das Eigentor von Torhüter Nikola Vasilj unter Bedrängnis und fatal ausgelassene Großchancen – exemplarisch der verpasste Ausgleich durch Andreas Hountondji kurz vor der Pause – prägten das Bild. Abwehrspieler Wahl betonte im Nachgang deutlich, dass man das Scheitern nach so vielen vergebenen Möglichkeiten über die Saison hinweg nicht auf Pech schieben dürfe.

Präsident Oke Göttlich lieferte eine schonungslose Analyse und erklärte, das Team sei zu selten an sein Leistungslimit gekommen und schlichtweg nicht gut genug für den Klassenerhalt gewesen. Auch der australische Kapitän Irvine pflichtete ihm bei und entschuldigte sich bei den Anhängern, da 26 erkämpfte Punkte für den Ligaverbleib einfach zu wenig seien. Chefcoach Blessin, der nach dem Schlusspfiff sichtlich gezeichnet von seinen Angehörigen auf der Tribüne getröstet werden musste, beschrieb seine Gefühlswelt als so leer wie das Stadion nach Spielende. Für den Kiezclub beginnt nun die harte Phase der Aufarbeitung und des sportlichen Neustarts.

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