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Beim FIFA-Kongress im kanadischen Vancouver ist der Versuch von Präsident Gianni Infantino gescheitert, eine öffentliche Friedensgeste zu inszenieren. Der Chef des palästinensischen Fußballverbands verweigerte einem israelischen Vertreter auf offener Bühne den Handschlag.

Konfrontation statt Versöhnung auf der großen Bühne

Es hätte ein starkes Symbol für die verbindende Kraft des Sports werden sollen, doch es endete in einer äußerst unangenehmen Situation. Nachdem Jibril Rajoub, Präsident des palästinensischen Verbands (PFA), und Basim Scheich Suliman, Vizepräsident des israelischen Verbands (IFA), ihre Reden vor den Delegierten der 211 Mitgliedsverbände beendet hatten, bat Infantino beide Akteure zu sich auf die Bühne.

Der Schweizer Funktionär zielte offensichtlich auf einen versöhnlichen Handschlag der beiden Parteien ab. Doch Rajoub spielte nicht mit. Der palästinensische Verbandschef verweigerte seinem israelischen Gegenüber die Hand, verwickelte ihn stattdessen abseits der Mikrofone in eine kurze Diskussion und verabschiedete sich am Ende lediglich per Handschlag von dem FIFA-Präsidenten. Infantino versuchte die Situation mit einem Lächeln zu retten und forderte beide Verbände zur Zusammenarbeit auf. Das sind, wie wir wissen, sehr häufig komplexe Angelegenheiten, kommentierte der Weltverbands-Chef im Anschluss.

Gang vor den Sportgerichtshof: Palästina fordert Korrektur

Der gescheiterten Geste ging eine inhaltliche Auseinandersetzung voraus. Die PFA hatte bereits im Vorfeld angekündigt, gegen eine Entscheidung des FIFA-Rats vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne zu ziehen. Eine entsprechende Berufung reichte der Verband nach eigenen Angaben am 20. April ein. Rajoub betonte während seiner Rede, dass es ihm nicht um Provokation, sondern um eine rechtliche Klärung gehe.

Wir verlangen von der FIFA nicht, einen politischen Konflikt zu lösen, wir verlangen, Fußball zu organisieren, verdeutlichte der palästinensische Funktionär. Auf der Gegenseite warb Suliman in arabischer Sprache für einen sportlichen Ausgleich. Der IFA-Vizepräsident richtete sich an die Vollversammlung und machte deutlich, dass Politik im Fußball keinen Platz habe.

Komplexe Rechtslage verhindert harte FIFA-Sanktionen

Hintergrund der anhaltenden Spannungen ist ein Vorstoß der palästinensischen Seite aus dem Jahr 2024. Die PFA hatte weitreichende Sanktionen gegen den israelischen Fußballverband gefordert. Als Begründung diente unter anderem ein illegaler Spielbetrieb in israelischen Siedlungsgebieten im Westjordanland. Die IFA wurde in der Folge zwar wegen diskriminierender Handlungen eines Klubs gegen palästinensische Akteure mit einer Geldstrafe belegt, blieb aber von weitreichenderen Strafen verschont.

Der FIFA-Rat lehnte im vergangenen März weitere Schritte offiziell ab. Der Weltverband begründete dies damit, dass der endgültige rechtliche Status des Westjordanlands nach dem Völkerrecht weiterhin eine ungelöste und äußerst komplexe Sachfrage darstelle. Der verweigerte Handschlag in Vancouver zeigt nun eindrücklich, wie tief die Gräben zwischen den sportlichen Vertretern beider Seiten nach wie vor sind.

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