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Antonio Rüdiger hat sich in einem ausführlichen Interview zu seinem umstrittenen Spielstil geäußert. Der deutsche Nationalspieler in Diensten von Real Madrid verteidigt seine physische Gangart, gibt aber auch eigene Fehler offen zu. Gleichzeitig richtet er einen klaren Appell an die DFB-Auswahl für die kommende Weltmeisterschaft.

Eine Gratwanderung zwischen Härte und Fairness

In der spanischen La Liga eilt dem Innenverteidiger ein gewisser Ruf voraus. Zuletzt sorgte eine Szene Anfang März beim Duell zwischen Real Madrid und dem FC Getafe für Aufsehen, als Rüdiger den am Boden liegenden Diego Rico im Gesicht traf. Während der Gegenspieler Absicht unterstellte und von einer schweren Verletzungsgefahr sprach, wertete der Schiedsrichter die Aktion nicht als Foul. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gab sich der gebürtige Berliner nun reflektiert. Er wolle kein Unruheherd sein, sondern seiner Mannschaft Stabilität und Sicherheit verleihen. Dennoch räumte er ein, dass manche seiner Aktionen in der Vergangenheit schlichtweg zu hart gewesen seien und er seiner Vorbildfunktion nicht immer gerecht wurde.

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Die kompromisslose Kante als Erfolgsrezept in Madrid

Trotz der ehrlichen Selbstkritik will der Defensivspezialist seine Spielweise nicht grundlegend ändern. Ein harter Verteidiger zu sein, ist für ihn ein essenzieller Teil seiner sportlichen Identität. Wer auf absolutem Weltklasse-Niveau in direkten Duellen bestehen wolle, dürfe auf dem Platz kein netter Begleiter sein. Genau diese Intensität und das Spiel am absoluten Limit hätten ihn überhaupt erst zu den Königlichen nach Spanien gebracht. Dass er dabei kein unkalkulierbares Risiko für sein Team darstellt, untermauert eine beachtliche Statistik: Seit über neun Jahren hat der Abwehrhüne auf dem Spielfeld keine Rote Karte mehr kassiert. Sein letzter direkter Platzverweis datiert aus dem April 2017, damals noch im Trikot der AS Rom beim brisanten Stadtderby gegen Lazio.

Klare Ansage an die deutsche Nationalmannschaft

Den gleichen unbändigen Biss wünscht sich Rüdiger auch für das DFB-Team. Aktuell ordnet er sich im internen Ranking der Nationalmannschaft zwar hinter Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck ein, hat das große Turnier in den USA aber fest im Blick. Damit Deutschland dort um den Titel mitspielen kann, fordert der Routinier einen kollektiven Mentalitätswechsel. Die Mannschaft müsse wieder so unangenehm zu bespielen sein, dass der Gegner schon im Spielertunnel die Lust verliere. Ein klares Plädoyer für mehr physische Präsenz und bedingungslosen Einsatz auf dem Weg zur Weltmeisterschaft.

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