Monopolisten mit Staubschicht

Wer glaubt, dass ein langes Dasein als Monopolist gesund ist für die Unternehmendstruktur und das Herangehen an Geschäftliches, der muss nur einmal auf ehemalige Monolisten schauen und in diesem Fall gibt uns sogar die Wettbranche eine tolle Vorlage.

Telekom und Tipp3

Telekom, unser früherer Monopolist im Bereich der Kommunikation und Tipp3, das österreichische „Oddset“ (also der ehemalige Monopolist im Bereich Sportwetten) haben sich zusammengetan um ein neues Wettunternehmen in Deutschland zu gründen und zwar Tipp3.de.

Wie kommt es zu dieser Konstellation? Recht einfach, da sich bei solche Joint Ventures oftmals Unternehmen zusammentun, die in Philosophie und Struktur zusammenfassen und genau das ist hier der Fall. Wir haben zwei Seiten, die beide altmodisch agieren und die beide die Geschwindigkeit eines ehemaligen Monopolisten haben. Gleichzeitig sollte jedoch nicht vergessen wie stark die Verbindungen solche Unternehmen zur Politik sind.

Damals vor zehn Jahren

Diese Überschrift ist meine persönliche spontane Reaktion auf den Auftritt von Tipp3.de. Das Problem ist: die Seite ging erst gestern online. Ob Designt, Usability oder Wettangebot, alles wirkt als hätte sich Michael J. Fox in sein Auto gesetzt und wäre zehn Jahren in die Vergangenheit gereist.

Fangen wir mit stupiden Dingen wie Farbverläufen und der Gestaltung der Menüs. Während alle modernen Unternehme zu eindeutigen starken Farben tendieren (siege Materialdesign von Google), ist man bei tipp3 noch in irgendwelchen komplett ablenkenden Farbverläufen, bei denen man noch möglichst ein Sportlogo unterbringt um die Übersicht komplett zu zerstören.

Oder man macht die maximale Seitenbreite des Auftritts auf 1010 Pixel, also eine Größte, die bald sogar Smartphones haben, weil sich die Monitorgröße natürlich weiterentwickelt hat. Schauen wir einmal beim Sportwetten Magazin auf die Besucher und stellen fest, dass über 50% der PC und Laptop Nutzer eine Auflösung von 1300 und höher haben. Vielleicht wollte tipp3 da auch ihren tollen 90er Farbverlauf im Logo betonen. So sieht das jedenfalls aus, wenn wir diese Größe nehmen.

tipp3.de

Tipp3.de

Katastrophales Produkt

Ein Produkt aus dem letzten Jahrzehnt ist natürlich noch schlimmer als ein Design aus dem letzten Jahrzehnt, doch genau das wird uns hier präsentiert. Für die heutige Champions League Begegnung bietet uns Tipp3 ganze SECHSZEHN Wettmärkte an. Das ist ungefähr das Niveau, das alle Wettanbieter hatten als die ersten davon online gingen. Schauen wir auf einen sehr guten Durchschnitt unter den seriösen Anbietern wie Betway und wir sehen selbst konservativ geschätzt (also wenn wir Sonderwetten zusammenfassen, die nur eine andere Line haben) mindestens 40-50 Wettmärkte.

Wem das nicht reicht, der kann sich auch anschauen wie viele Systemwetten man vor zehn Jahren hinbekommen konnte. Es waren genau die üblichen Verdächtigen 2 aus, 3 aus, usw. während moderne Wettanbieter auch die komplexeren Wettarten haben wie Yankee, Canadian usw. Solche Systemwetten sind lediglich eine Frage der Programmierung, da es um die Berechnung der Quoten und Gewinne geht. Hier ein Vergleich zwischen Tipp3 links und Betway rechts.

tipp3wettschein

Damals war nichts besser

Das wird auch klar, wenn man sich weitere Details ansieht wie die Bezahlmethoden. PayPal Fehlanzeige obwohl man eine deutsche Lizenz in der Hinterhand hat, man also mit PayPal alles aushandeln könnte. Aktuell hat man Kreditkarten, Sofortüberwiesung und Giropay, die dem Spieler angezeigt werden. Das ist nur ein weiterer Hinweis dafür wie überfordert man scheinbar ist mit den Herausforderungen eines großen Anbieters.

Strategie: viel Marketing und Reichweite

Die Verantwortlichen glauben fest daran, dass große Ausgaben im Sponsoring und Marketing und vor allem die riesigen Reichweise der Telekomportale ausreichen werden um sich ein großes Stück vom Kuchen zu sichern. Ich sage jetzt schon: NIEMALS. Damit lassen sich kleine Unzulänglichkeiten ausgleichen, aber ein Produkt, dass fünf bis zehn Jahre hinter der mittelmäßigen Konkurrenz ist sicherlich nicht. Man wird hübsche Aussagen dazu bekommen wie viele Neukunden man akquirieren konnte, aber in der Realität wird man eine unglaublich hohe Zahl an Spielern haben, die nur für den Bonus bleiben und nicht mehr zurückkehren.

Mittelmäßiges bis miserables Produkt und viel Geld, das hatten wir nämlich alles schon, ob bei Unternehmen wie Betclic (früher vor allem) oder als bwin auf die Idee kam, sie müssten sich nicht weiterentwickeln. In allen diesem Fällen zeigte ihnen der Markt klare Grenzen auf.

Was die Telekom und natürlich auch Tipp3 hier komplett vergessen ist: wie sind NICHT in Österreich. Tipp3 ist hier keine Marke, keine Größe und hat keine Geschichte und genauso wird auch die Wahrnehmung sein.

Wir kennen die PR

Nur ein Hinweis, da man die Sprechautomaten der PR-Abteilungen kennt….wie werden alle hören und sehen wie man uns eine miserable Auswahl an Wetten damit verkauft, dass man sich ganz große Sorgen um den Spielerschutz macht. Das ist ein Märchen, das schon beim ersten Blick auf die Seite widerlegt wird und zwar wenn man die JA/NEIN Wette sieht.

Bei dieser Wette müssen acht Fragen mit Ja oder Nein beantwortet werden und schon die meisten Fragen sind einzelne eine Lotterie, aber als Kombiwette sind sie tatsächlich nah an den Lottowahrscheinlichkeiten. Trifft man bei den Antworten alle, dann erhält der Kunde eine 50er Quote. Hier ein Screenshot zur aktuellen Champions League Runde. Nicht nur, dass die realistische Quote mindestens doppelt so hoch wäre, vielmehr geht es darum, dass niemand von Spielerschutz reden kann und solche ein Produkt so stark bewirbt. Das ist absurd und zeigt, dass das Argument Spielerschutz PR fürs Phrasenschwein sein wird.

tipp3janein